Alferink: „Ein Abriss kurz vor der Wahl ist noch kein Aufbruch“
Es passierte exakt weniger als 60 Stunden vor der Kommunalwahl – und hinterließ nicht nur beim SPD-Oberbürgermeisterkandidaten Robert Alferink, sondern auch innerhalb der interessierten Öffentlichkeit so etwas wie „Geschmäckle“: Am gestrigen Donnerstag hatte die Lindhorst-Gruppe als Bauherrin der „Johannishöfe – Quartier am Neumarkt Osnabrück“ gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin zum „Abbruchstart“ eingeladen. Im Rahmen einer symbolischen Zeremonie sollten damit offiziell die ersten von drei geplanten Projektabschnitten für die Rückbaumaßnahmen der Altbebauung gestartet werden. Folgt man den offiziell erklärten Vorstellungen der Lindhorst-Gruppe, soll fortan „Platz für ein modernes und nachhaltiges Stadtquartier mit Fokus auf Service-Wohnen, Wohnen für Studenten und Auszubildende sowie Handel“ geschaffen werden. Konkret geplant ist aber zunächst vor allem ein Parkhaus-Abbruch.

OB-Hilfe aus CDU-Solidarität?
Was man beim gesamten Geschehen wissen sollte: Neumarkt-Investor Alexander Lindhorst ist CDU-Mitglied und somit direkter Parteifreund von Oberbürgermeisterin Pötter. Das hat er bereits in der Tageszeitung am 15. Januar 2021 betont, in dem damals über eine AfD-Nähe des eigenen Vaters Jürgen Lindhorst berichtet wurde, von der sich der Junior allerdings glaubhaft distanzierte. Lindhorst senior hatte anno 2018 laut NOZ vom 8. Januar 2001 den AfD-Rechtsaußen und offenkundigen Faschisten Björn Höcke zu einem privaten politischen Abend auf seinen Hof eingeladen und dabei in demokratischen Kreisen viel Entsetzen und Empörung erregt.
In Osnabrück steht aktuell natürlich nicht die Rolle von Jürgen Lindhorst, sondern allein die des hier völlig ohne Vater-Einfliuss agierenden Investors Alexander Lindhorst im Vordergrund. Alferink brachte seine Haltung auf den Punkt, ohne die angekündigte Maßnahme abzuwerten: „Natürlich ist es gut, dass sich am Neumarkt endlich etwas bewegt. Aber wir sollten gerade wenige Tage vor der Wahl bei der Wahrheit bleiben: Am Donnerstag werden nicht die Johannishöfe eröffnet und es beginnt auch nicht plötzlich die große Neumarkt-Wende. Zunächst beginnt der Abriss des Parkhauses. Nicht mehr und nicht weniger.“
Symbolpolitik statt konkreter Schritte
Alferink kritisiert darum die brandaktuelle Inszenierung des symbolischen Starts der Abbrucharbeiten am Neumarkt deutlich. Denn tatsächlich beginnt zunächst vor allem anderen der Abriss des Parkhauses. Für den Sozialdemokraten ist diese Form der Symbolpolitik absolut nichts Neues. Denn der Sozialdemokrat sieht eine Kontinuität von Aufbruchsankündigungen, die sich immer wieder durch die vergangenen Jahre ziehe: „Frau Pötter hat den Menschen oft genug erzählt, dass es am Neumarkt jetzt vorangeht. Nun wird ausgerechnet drei Tage vor der Wahl wieder ein symbolischer Starttermin angesetzt. Mir ist das zu viel Inszenierung und zu wenig Ergebnis.“
Der Oberbürgermeisterkandidat der Osnabrücker SPD setzt völlig andere Prioritäten. Der Neumarkt brauche nach Jahren der Diskussionen keine weiteren großen Ankündigungen, sondern eine nachhaltige Entwicklung. „Ich wünsche mir ausdrücklich, dass die Johannishöfe Realität werden und dass sich der Neumarkt endlich positiv entwickelt. Aber ich werde einen Abrissbagger nicht zum Durchbruch erklären. Politik sollte sich nicht daran messen lassen, wie oft sie einen Start verkündet, sondern daran, was am Ende tatsächlich fertig wird.“
Für Alferink reiht sich die an den Neumarkt-Ruinen proklamierte Symbolpolitik der amtierenden Oberbürgermeisterin in eine problematische Gesamtlinie mit vielen Abkündigungen ein. In der Realität müsse die Stadt bei zentralen Schlüsselorten künftig selbst aktiver werden: „Mein Anspruch ist ein anderer: weniger ankündigen, mehr machen. Osnabrück braucht am Neumarkt keine weitere Inszenierung. Osnabrück braucht Ergebnisse, damit Osnabrück wieder funktioniert. Für alle.“















