Immer mehr Autos fahren, stehen und parken: Wie lange soll das noch gutgehen?

Jetzt 593 Autos je 1 000 Einwohner*innen – doch Bremen, Hamburg und Berlin melden einen Rückgang – warum wohl?

Deutsche fahren offenbar immer mehr Auto. Während Stadtstaaten mit einem im Vergleich funktionierenden öffentlichen Verkehrssystem einen Rückgang vermelden, sind offenkundig immer mehr Menschen in der Fläche auf ein Auto angewiesen. Könnte es da irgendwo klingeln, wo deutsche Verkehrspolitik völlig andere Schwerpunkte setzen könnte?

Das Statistische Bundesamt (Destatis) vermeldet: Zum Jahresanfang 2026 kamen auf 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner durchschnittlich 593 Pkw. Das sind drei Autos mehr pro 1 000 Einwohner*innen als im Vorjahr und fünf mehr als im Jahr 2024. Schon seit 2008 ist die Pkw-Dichte kontinuierlich angestiegen. Rekorde melden auch die Zulassungsbehören: Nach Angaben des KBA waren zum Stichtag 1. Januar 2026 rund 49,5 Millionen Pkw in Deutschland zugelassen – so viele wie nie zuvor. Zum 1. Januar 2025 waren es noch 49,3 Millionen Autos.


Stadtstaaten zeigen den anderen Weg

Bezeichnenderweise gibt es in Berlin, Hamburg und Bremen, wo Menschen zumeist jeden Punkt in der Stadt auch per S-Bahn, U-Bahn, Bus oder Tram erreichen können, eine andere Tendenz: Während die Pkw-Dichte in allen Flächenländern im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist, ging sie in den drei Stadtstaaten zurück. Berlin verzeichnet 330 Autos pro 1 000 Einwohner*innen, Bremen 427 und Hamburg 432. Hinzu tritt dort ein systematisch ausgebautes Netz von Radwegen, die für alle gesunden Menschen die zentrale Alternative aufweisen.

Unter den Flächenländern gibt es wiederum Unterschiede. Die höchste Pkw-Dichte gab es zum Jahresbeginn 2026 im Saarland mit 649 Autos pro 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 644 und Bayern mit 639. Tabellenletzter ist hier Sachsen mit 544 motorisierten Vierrädern. Insgesamt lag in ländlichen Regionen die Pkw-Dichte tendenziell auf einem höheren Niveau als in städtischen Regionen. Gründe dafür könnten die in diesen Regionen sein.


576,3 Milliarden Kilometer wurden 2024 mit dem Auto zurückgelegt

Auch die gefahrenen Kilometer weisen aktuell Höchstwerte auf: Insgesamt 576,3 Milliarden Kilometer legten die privaten Haushalte und die Wirtschaft im Jahr 2024 nach Ergebnissen der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen mit dem Auto zurück. Dabei entfielen 83,3 % auf private Haushalte und 16,7 % auf die Gesamtwirtschaft. Im Vergleich zum Jahr 2023 stieg die Fahrleistung um 0,9 %, im Vergleich zu 2020 mit 538,4 Milliarden Kilometern um 7,0 %.


Infrastruktur bleibt das deutsche Hauptproblem

Schlechte oder völlig fehlende Bus-Taktungen, viel zu wenig Bahnhöfe und Haltestationen, das miserable Image der Bahn und ein ausbaufähiges Radwegenetz dürften, falls nicht mit neuen Investitionen gegengesteuert wird, ein massives Standortproblem Deutschlands bleiben. Lange Pendelwege von Berufstätigen, oft auch die defizitäre Infrastruktur auf dem platten Land dürften vorerst bleiben. Dort gibt es zwar relativ kostengünstige Wohnangebote, aber keine Supermärkte, Apotheken, Arztpraxen oder Sparkassenschalter. Alle Stichworte bleiben wohl noch lange Zeit Aufgabenfelder, die nur sture Autofans und Leugner des Klimawandels ausblenden können.


Alternative Fahrrad

Wer es sich gesundheitlich leisten kann, sollte sich auch dieses merken: Die Menschen in Deutschland fahren immer mehr Wege und immer längere Strecken mit dem Fahrrad. Das geht aus der aktuellen Studie «Mobilität in Deutschland (MiD) 2023» hervor, bei der zwischen April 2023 und Mai 2024 rund 370.000 Personen aus 185.000 Haushalten zu ihrer Alltagsmobilität befragt wurden. Die Fahrradflotte wächst von 75 Mio. auf 81 Mio. Fahrräder, davon sind 12 Mio. E-Bikes und damit 5 Mio. mehr als noch 2017. Was sogar besser ist als beim Auto: 76 % der Haushalte besitzen mindestens ein fahrtüchtiges Rad.

Danach haben sowohl die Verkehrsbeteiligung als auch die Verkehrsmengen von Fahrrad und E-Bike zugenommen haben. Die geradelten Kilometer haben seit 2002 um fast die Hälfte zugenommen. Der Radverkehrsanteil stieg Modal Split auf 11,2 %. Offenbar zeigt sich allerdings eine negative Parallele zum Auto: Das Wachstum lässt sich nur auf Steigerungen in urbanen Räumen zurückführen, da der Radverkehrsanteil im ländlichen Raum sinkt – wo zugleich die Autonutzung steigt. 118 Mio. Km werden gleichwohl täglich mit dem Fahrrad zurückgelegt.

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