Verschlechterungen beim Unterhaltsvorschuss: Armutsrisiko für Alleinerziehende wird weiter verschärft

Warum „Reform“ von CDU-Ministerin Prien allein die Schwächsten trifft

Aktuell wird sehr kontrovers über eine Reform des staatlichen Unterhaltsvorschusses für Kinder von Alleinerziehenden diskutiert. Mit der aktuellen Veränderung des staatlichen Unterhaltsvorschusses sind vo allem die im Juli 2026 von Bundesfamilienministerin Karin Prien vorgestellten Kürzungspläne gemeint. Der Vorschuss soll künftig bereits vor dem 18. Geburtstag enden. Zwar soll offiziell der Druck auf säumige Unterhaltszahler verschärft werden. Doch in Wahrheit dürften vor allem die Alleinerziehenden fatale Verschlechterungen ihrer Lebenssituation erwarten.


Familien sind hart getroffen

Verglichen mit der Gesamtanzahl der in Deutschland lebenden Menschen erscheint die Zielgruppe nur auf den ersten Blick überschaubar: Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Erstergebnissen des Mikrozensus mitteilt, lebten im Jahr 2025 rund 1,62 Millionen Alleinerziehende in Deutschland. Schaut man auf die Gesamtzahl der Familien, wirkt die Zahl gewichtiger: In knapp jeder fünften (19,4 %) Familie mit Kindern unter 18 Jahren lebt nur ein Elternteil mit den Kindern und sorgt für sie. Gestiegen ist der Anteil der alleinerziehenden Väter. Doch der Großteil der Alleinerziehenden ist nach wie vor weiblich. Im Jahr 2025 gab es 1,37 Millionen alleinerziehende Mütter. Damit waren mehr als vier von fünf (84,4 %) Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren Frauen. Zehn Jahre zuvor hatte ihr Anteil bei 88,9 % gelegen. Der Anteil der Väter unter den Alleinerziehenden ist entsprechend gestiegen: von 11,1 % im Jahr 2015 auf 15,6 % im Jahr 2025. Zuletzt gab es 253 000 alleinerziehende Väter, die mit ihren minderjährigen Kindern in einem Haushalt lebten.


Ein schlimmes Los

Das Leben von Alleinerziehenden ist oft problematisch, weil sie besondere finanzielle Risiken tragen. Die Last der Kindererziehung müssen sie völlig allein schultern und haben zu wenig zeitliche Entlastung. Zweifellos besteht ein hohes Armutsrisiko: Ein-Eltern-Familien sind deutlich häufiger von Armut bedroht als Paarfamilien. Sehr oft wird kein oder zu unregelmäßiger Unterhalt vom anderen Elternteil gezahlt. Auch die Teilzeitarbeit gilt als Teufelsspirale: Da die Betreuung allein getrennt bewältigt werden muss, arbeiten viele nur in Teilzeit oder in gering bezahlten Jobs. Hinzu kommen zeitlicher Druck und fehlende Betreuung. Beruf, Haushalt und Kinderbetreuung liegen als Mehrfachbelastung auf einer einzigen Person. Fehlende Ganztagsplätze in Kitas oder Schulen erschweren feste Arbeitszeiten, obwohl der Wunsch danach oft dringend besteht. Schlimm ist es oft im Alltag: Fällt ein Kind aus Krankheitsgründen mal aus, bricht das System meist sofort zusammen, da kein Partner einspringen kann.

Der aktuelle Vorschlag der Bundesregierung zur sogenannten „Reform“ des Unterhaltsvorschusses sieht vor, diesen künftig nur noch für Kinder unter 16 Jahren zu gewähren. Bisher liegt die Altersgrenze bei 18 Jahren. Im Jahr 2025 waren 15,8 % der minderjährigen Kinder von Alleinerziehenden 16- und 17-Jährige. Insgesamt waren dies 373 000 Jugendliche. Betroffen von der Reform des Unterhaltsvorschusses wären 21,2 % – somit also mehr als ein Fünftel – der Familien Alleinerziehender.


Keine kleine Minderheit

Insgesamt lebten im Jahr 2025 rund 2,36 Millionen Kinder unter 18 Jahren mit nur einem Elternteil zusammen. Das waren 16,8 % aller Minderjährigen in Deutschland. Alleinerziehende Mütter arbeiten häufiger in Vollzeit, alleinerziehende Väter seltener als Mütter und Väter in Paarfamilien. Alleinerziehende Mütter arbeiten häufiger in Vollzeit als solche mit einem Partner oder einer Partnerin. Bei alleinerziehenden Vätern ist es umgekehrt. Im Jahr 2025 arbeiteten 38,6 % der 956 000 erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter mit Kindern unter 18 Jahren in Vollzeit. Bei Müttern, die in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft lebten, lag die Vollzeit-Erwerbstätigenquote bei 30,7 %. Der Anteil der erwerbstätigen alleinerziehenden Väter mit minderjährigen Kindern, die in Vollzeit arbeiten, war mit 83,8 % hingegen niedriger als der von Vätern in Partnerschaft (91,5 %).


Arbeitslosigkeit und Armutsgefährdung

Auch die Arbeitslosigkeit – und damit die Abhängigkeit von Transferleistungen – ist bei Alleinerziehenden groß. Insgesamt lag die Erwerbstätigenquote von Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren im vergangenen Jahr bei 71,8 %. Väter (82,8 %) waren dabei häufiger erwerbstätig als Mütter (69,8 %). Das Armutsrisiko ist also bereits ohne die angedachten Verschlechterungen hoch. Die Armutsgefährdungsquote von Personen in Alleinerziehenden-Haushalten ist nämlich mehr als doppelt so hoch wie von Personen in Paarhaushalten mit Kindern.

Nach Ergebnissen der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) 2025 hatten zuletzt 28,9 % der Personen in Alleinerziehenden-Haushalten ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Damit war die Armutsgefährdungsquote von Menschen in Haushalten von Alleinerziehenden mehr als doppelt so hoch wie die von Menschen in Haushalten von Paaren mit einem oder mehreren Kindern (12,0 %). Zum Vergleich: Über alle Haushaltstypen hinweg waren 16,1 % der Bevölkerung von Armut bedroht. Und hier soll es weitere Verschlechterungen geben?


DGB: Aktuelle Planungen der Bundesregierung setzen verheerende Signale

Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende bringt die Kritik des DGB auf den Punkt:

Angesichts dieser Zahlen wird einmal mehr deutlich, warum die Kürzung des Unterhaltsvorschusses ein absolut falsches Zeichen setzen würde: Alleinerziehende Familien sind seit vielen Jahren unverändert die am stärksten von Armut betroffene Familienform in Deutschland. Dabei arbeiten alleinerziehende Mütter – sie machen nach wie vor den Löwenanteil der Alleinerziehenden aus – häufiger in Vollzeit als Mütter mit Partner oder Partnerin. Es sind nicht zuletzt die säumigen Unterhaltspflichtigen, die die Lebensumstände vieler alleinerziehender Familien verschärfen. Belastet werden erneut: Frauen mit alleiniger Sorgeverantwortung und junge Menschen. Mehr als ein Fünftel der Alleinerziehenden hat Kinder im Alter von 16 und 17 Jahren. 373 000 Jugendliche wären von den geplanten Kürzungen des Unterhaltsvorschusses betroffen. Das ist ein fatales Signal an die jungen Menschen. Sie tragen die Folgen: Chancen und Teilhabe werden eingeschränkt, wenn Elternteile ihren Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkommen – und nun können sie noch nicht einmal auf die Unterstützung durch den Staat vertrauen. Das ist ein Armutszeugnis für die Politik der Bundesregierung.

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