spot_img
Aktuelle Kurzmeldungen aus OS & Umzuspot_img
Aktuelle Polizeimeldungenspot_img
Aktuelle Veranstaltungenspot_img
Freitag, 13. Februar 2026

Teil 16 der OR-Serie „Täter-Hetzer-Profiteure“: Heinrich Röper (1884-1938)

Strammer Nazi mit Helden- und Gutmensch-Image

Nur wenigen NS-Größen der Stadt Osnabrück wird nach Kriegsende die zweifelhafte „Ehre“ zuteil, dass über sie eifrig und kontrovers gestritten wird. Heinrich Röper (1884-1938), zu Lebzeiten Prokurist der Firma Hammersen, zählt zu jener Kategorie. Mit einem Heinrich-Röper-Weg sollte der Prokurist nicht nur in der NS-Zeit, sondern auch jahrzehntelang nach Kriegsende, geehrt werden. Heute heißt der frühere Heinrich-Röper-Weg allerdings Färberweg. Und dies mit vollem Recht.


Szenen einer Bilderbuch-Karriere

Folgt man einer ausführlichen Biografie, die ein am 12. Juli 1938 abgedruckter Nachruf im Osnabrücker Tageblatt offenbart, steht der am 1. November 1984 im hessischen Heddenheim geborene Heinrich Röper vor einer steilen Karriere. Heddernheim wird, beginnend ab 1910 ein Stadtteil von Frankfurt am Main sein. Die Zentrumsnähe lässt den dort aufwachsenden Jungen schon früh echte Großstadtluft schnuppern. Seine schulische Laufbahn beginnt, völlig unspektakulär, mit jener Volksschule, die zu jener Zeit von fast allen, streng getrennt nach Geschlecht, besucht wird. Als Röper eingeschult wird, werden es nur deutlich weniger als 1,6% der Mitschülerinnen und Mitschüler schaffen, mit Hilfe des hohen Schulgelds ein Abitur zu machen.[1]

Röpers Eltern können aber wenigstens so viel Schulgeld aufbringen, dass ihr Spross anno 1896 eine Frankfurter Realschule besuchen kann. Dort erwirbt er, so schreibt es 1938 der Tageblatt-Autor, anno 1901 mit 17 Jahren den „Berechtigungsschein zum einjährigen freiwilligen Dienst“. Jene „Einjährigen“ sind in der kaiserlichen Armee junge Männer mit besonderem Bildungsabschluss, die ein Jahr lang freiwillig dienen. Sobald sie einberufen werden, dienen sie keineswegs als einfache Rekruten, sondern als angehende Reserveoffiziere. Alle genießen deshalb ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Die große Masse der jungen Männern muss dagegen bis zu drei Jahre Wehrdienst ableisten.

Röper hat zunächst aber noch Zeit mit seiner Einberufung. Sofort nach der Schulentlassung wird er nach Ostern 1901 zum Lehrling bei der Deutschen Effekten- und Wechselbank, wo er bis 1904 ausgebildet wird. Er nutzt dabei karrierebewusst die Chance, Vorlesungen der damaligen Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften zu besuchen. An dieser hoch dekorierten Bildungsstätte erwirbt sich der Berufsanfänger viel Rüstzeug, das ihm in der Führungsetage von Unternehmen die Türen öffnet.

Vom Oktober 1904 bis zum 30. September 1905 dient er endlich als „Einjährig-Freiwilliger“ in der Armee. In seinem Darmstädter Regiment wird er bereits im Juli 1905 zum Gefreiten. Nur einen Monat später wird er zum Unteroffizier befördert. Röpers großherzoglich-hessisches Leibgarde-Infanterie-Regiment ist seinerzeit eine besonders traditionsreiche Adresse der hessischen Armee.

Mitsamt seiner in Ausbildung und Armee erworbenen Meriten tritt Röper im November 1905 eine leitende Angestelltenstelle bei der „Westfälischen Bankkommanditgesellschaft Ohm, Hernekamp & Co“ an. Schon im Dezember ist er Handelsbevollmächtigter.

Zeitgleich nimmt er erstmals einen Wohnsitz im Raum Osnabrück. Es führt ihn nach Bramsche, wo seine Firma eine Filiale unterhält. Schon 1908 wird der junge Handelsbevollmächtigte aber ins münsterländische Coesfeld versetzt und verlässt das Osnabrücker Umland. Tatsächlich ruft ihn die Reichshauptstadt Berlin: Heinrich Röper, gerade 26 Jahre alt, wird Revisor bei der Deutschen Treuhandgesellschaft Berlin. Die Hauptstadt wird für ihn zum Netzwerk-Produzenten. Der Tageblattschreiber berichtet, dass der junge Revisor „128 deutsche Unternehmungen im In- und Ausland kennenlernte.“


Kampfleben in Uniform

Immer wieder zieht es dem national und militärisch denkenden Röper zu Übungen in die kaiserliche Armee. 1907 lernt er in Ostfriesland das legendäre 78er-Regiment kennen, das vorwiegend in Aurich und Osnabrück stationiert ist. 1909 befehligt Unteroffizier Röver seine Rekruten in Münster. 1912 verschlägt es ihn in das Reserveregiment in Neuhammer am Queis, dem heutigen polnischen Ort Świętoszów, der in Niederschlesien liegt.

Röper, dies darf man vermuten, dürfte am 28. Juli 1914 zu jenen euphorischen Kämpfern zählen, die den Ausbruch des Ersten Weltkriegs begrüßen, sich einkleiden lassen und begeistert an die Front ziehen. Für Röper wird wieder eine Beförderung anstehen. Der spätere Osnabrücker zählt ab 1915 als  Leutnant zum Infanterie-Regiment 12, das in Frankfurt/Oder stationiert ist. Jenes Grenadier-Regiment „Prinz Carl von Preußen“ Nr. 12 ist überwiegend an der Westfront im Einsatz. Falls Leutnant Röper an jenen Einsätzen teilgenommen hat, erlebt er zunächst den Vormarsch durch Belgien und Frankreich, die Schlacht an der Marne und anschließende Stellungskämpfe an der Aisne. 1915 ist Röpers Regiment  hauptsächlich an den schweren Schlachten in der Champagne und im Artois, ab 1916 auch im Inferno von Verdun beteiligt. Eine kurzzeitige Verlegung an die Ostfront findet im Jahr 1915 statt. Im Rahmen der 5. Infanterie-Division nimmt das Regiment dort am Durchbruch bei Gorlice-Tarnów und bei den anschließenden „Verfolgungskämpfen“ in Polen teil, bevor die Division im Herbst 1915 wieder an die Westfront verlegt wird.

In Belgien und Frankreich dürfte der Leutnant an den extrem opferreichen Kämpfen um das Fort Douaumont und den Caillette-Wald beteiligt sein. Ähnlich grausam verlaufen 1917 Kämpfe an der Somme und in Flandern. Im gleichen Jahr wird Röver Kompanieführer. 1918 scheitert opferreich die sogenannte Frühjahrsoffensive, die das Reich auf die Siegesstraße bringen soll. Leutnant Röper muss wie andere den Rückzug antreten. Im März 1918 führt er seine Rekruten noch einmal in die sogenannte „Kaiserschlacht“ und in die daran anschließenden Abwehrkämpfe gegen die alliierten Gegenoffensiven. Letztere werden bis zum Waffenstillstand, unterzeichnet am 11. November 1918 im Wald von Compiègne, andauern. Röpers Regiment bewegt sich nach Frankfurt/Oder zurück, wo es im Dezember 1918 demobilisiert und schließlich aufgelöst wird.

Stolz dürfte der Leutnant im Rückblick sein, dass er infolge seiner kriegerischen Leistungen gegen „feindliche“ Soldaten wirkungsvoll mit Orden behängt wird. 1915 schmückt er sich mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse, im August sogar mit dem der I. Klasse.

Röpers Rückkehr ins zivile Berufsleben erfolgt erneut bei der Deutschen Treuhandgesellschaft. Im April 1920 wird er jedoch Osnabrücker Bürger, garniert mit einer markanten Führungsposition: Er wird Prokurist bei der hiesigen Textilfirma Hammersen mit ihrem groß angelegten Werksgelände in der Iburger Straße.

Hammersens täglicher Wirkungsbereich bis zu seinem Tode: Firma Hammersen an der Iburger Straße. Die hier gezeigte Aufnahme stammt aus dem Jahre 1906 und zeigt – oben links – das Panorama des Werksgeländes vom Turm der Lutherkirche. Foto: Wenner


Orgesch: rechtsextreme Kampftruppe wird Röpers Heimat

Die unfassbaren Gräuel des Krieges, die Erich Maria Remarque so treffsicher mit seinem Welterfolg „Im Westen nichts Neues“ vor Augen geführt hat, scheinen auf Röper keine Zweifel am Soldatentum ausgelöst zu haben. Im Gegenteil: Leutnant Röper lassen militärisches Gebaren und das stolze Tragen einer Uniform keinesfalls los. Annehmen darf man, dass bei Röper die Geschehnisse um die Flucht des Kaisers vor Demokraten und Revolutionären, die Ausrufung der Republik, revolutionäre Unruhen und die zeitweilige Option einer sozialistischen Wirtschafts- und Sozialordnung einen trotzigen Widerstandswillen erzeugt haben. Wie andere dürfte er jene „Novemberverbrecher“ hassen, welche den noch kämpfenden deutschen Frontsoldaten angeblich den Dolch in den Rücken gestoßen und sie damit zur Kapitulation gezwungen haben.

Röper sucht nach Auswegen, um Revolution wie Republik aktiv zu bekämpfen. 1920 tritt er der frisch gegründeten „Orgesch“ bei. Jene kämpfende und schwer bewaffnete Truppe ist die Abkürzung für „Organisation Escherich“, ins Leben gerufen vom bayerischen Forstrat Georg Escherich.

Röpers Orgesch begreift sich als Dachverband für die nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Einwohnerwehren, den vor allem in linken und demokratischen Kreisen berüchtigten Freikorps, die sich mordend vor allem in urbanen Arbeiterbezirken deutscher Industriestädte betätigen. Die Orgesch fungiert zugleich als Tarn- oder Auffangorganisation, nachdem offizielle Wehren aufgrund ihrer republikfeindlichen Haltung in Reichsländern wie Preußen inzwischen verboten worden sind.

Karikaturistische Ansicht der Orgesch, um 1919/1920 zu Papier gebracht vom Künstler George Grosz, der mit seinen Motiven immer wieder die deutsche Rechte ins Visier nahm. Offizieller Titel des Bildes: „Das ist die Orgesch, die unser Stinnes liebt!“ Hugo Stinnes war einer der einflussreichsten deutschen Industriellen und vervielfachte sein persönliches Vermögen gerade in den Krisenzeiten der Republik.

In Bayern besteht die Orgesch vor allem aus Freikorps-Truppen, die zuvor brutal mordend gegen Anhänger der Münchner Räterepublik vorgegangen sind. Prominente Orgesch-Kämpfer sind neben Forstrat Escherich die späteren Nationalsozialisten General Franz von Epp und Hauptmann Ernst Röhm. Die paramilitärische Organisation verfügt über Waffen wie Logistik und verbreitet sich vor allem nach dem gescheiterten Kapp-Putsch vom März 1920.  Zur Orgesch stößt am Ende nicht nur der Osnabrücker Heinrich Röper, sondern auch der deutschnationale Militärverband Stahlhelm. Schnell ist die Organisation über ganz Deutschland massiv verbreitet: Schätzungen gehen von ein bis sogar zwei  Millionen Mitgliedern aus, was den Verband zu einer deutlichen militärischen Stärke verhilft. Die offizielle Reichswehr darf nach den Besimmungen des Versailler Vertrages allenfalls 100.000 Mann umfassen.

Die politische Ausrichtung der Orgesch ist von Beginn an rechtsradikal, republikfeindlich und antisozialistisch. Um den Anschein zu wahren, gibt sie offiziell zwar vor, die Verfassung zu schützen. In Wahrheit verfolgt sie jedoch eine autoritäre Agenda. Mit Sitz in München dehnt sie ihren Einfluss schnell über ganz Deutschland bis nach Österreich aus. Georg Escherich agiert dabei als sogenannter „Reichshauptmann“. Aufgrund internationalen Drucks – besonders durch Frankreich und Großbritannien – und innenpolitischen Verboten wird die rechte Kampforganisation allerdings im Jahr 1921 aufgelöst. Röper hat der Organisation, folgt man besagtem Tageblatt-Nachruf, offenkundig bis zuletzt angehört.

Fritz Frömbling: Seifenfabrikant, OTV-Vorsitzender und deutschnationaler Antisemit
Röpers Kompagnon in DNVP und Stahlhelm: Fritz Frömbling: Seifenfabrikant, OTV-Vorsitzender und deutschnationaler Antisemit


„Femenmorde“ – und zarte Verweise auf Osnabrück

Blickt man auf das weite Spektrum der Orgesch, fällt auch eine Nähe zu sogenannten Femenmorden in der jungen Republik auf. Man kann jene tödlichen Attentate, bei denen unter anderem der linkssozialistische bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner (Tod am 21. Februar 1919), der USPD-Vorsitzende Hugo Haase (Tod am 7. November 1919), der liberale Außenminister Walter Rathenau (Tod am 24. Juni 1922) sowie das Zentrumsmitglied und Ex-Außenminister Matthias Erzberger (Tod am 26. August 1921) brutal liquidiert werden, durchaus als Vorzeichen späteren NS-Terrors deuten. Erzberger hatte als Leiter der deutschen Waffenstillstandskommission im Wald von Compiègne am 9. November 1918 mit Zustimmung Hindenburgs den Waffenstillstand für das Ende des Ersten Weltkriegs unterzeichnet – und gilt seither als einer der schlimmsten „Novemberverbrecher“. Walter Rathenau, konfessionell war er Jude, hatte mit der jungen Sowjetunion den Vertrag von Rapallo ausgehandelt. Eisner und Haase waren für Orgesch-Kämpfer und Freikorps ohnehin verhasste Sozialisten.

Aus dem Dunstkreis der „Orgesch“ und ähnlicher vaterländischer Gruppierungen sind in der Tat etliche Fememorde wie die dargestellten begangen worden, auch wenn Escherich selbst die Morde juristisch künftig nie nachgewiesen werden können. Vor allem die Milde oder gar das offene Verständnis der altkaiserlichen Justiz gegenüber rechten Tätern trägt massiv dazu bei, dass viele dieser Morde ungesühnt bleiben und politische Gewalt von rechts die Weimarer Republik von Beginn an massiv belastet.

Eng mit Geschehnissen um die Ermordung  Erzbergers am 26. August 1921 sind nicht nur dessen offiziellen Mörder, die Freikorpsmitglieder Heinrich Tillessen und Heinrich Schulz verbandelt. Es finden sich zugleich deutliche Spuren in Osnabrück. Zeitweise des Mordes verdächtigt wird der in der bayrischen rechtsextremen Szene verkehrende Willy Hörnlein, der sich zur Unterstützung seiner Flucht erfolgreich auch an die deutschnationale Parteispitze in Osnabrück wendet. Osnabrück ist somit offenkundiger Teil eines rechten Netzwerkes. Eng verstrickt mit dem Geschehen wird dadurch vor allem der Osnabrücker Fabrikant Fritz Frömbling, der zu diesem Zeitpunkt – gemeinsam mit Heinrich Röper – führend sowohl in der örtlichen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) wie im ihr nahestehenden Wehrverband Stahlhelm aktiv ist.

Im Juni 1922 sind aufgrund der Indizien Parteisekretär Heinz Landwehr zusammen mit dem Vorsitzenden Paul Meyer und Seifen-Fabrikant Fritz Frömbling vorübergehend festgenommen worden. Landwehr, auch Röper unterstehender DNVP-Parteisekretär, hatte vorher zum Mord an Erzberger geäußert: „War das denn nicht schön, wie Erzberger seinen dicken Bauch dahin hielt und von 12 Kugeln durchbohrt wurde? So muss es kommen, die ganze Judenbagage muss noch dran glauben, Wirth [1921 bis 1922 Reichskanzler] und Rathenau und die ganze übrige Judengesellschaft.“

Am Ende zerschlagen sich die Anklagen, weil der mutmaßlich als Erzberger-Attentäter Verfolgte inzwischen unter nicht aufgeklärten Umständen ermordet worden ist. Unstrittig bleibt aber, dass von Frömblings Seite beachtliche Unterstützungsgelder für die Flucht des verdächtigten Willy Hörnlein gezahlt worden sind. Ob Frömblings DNVP-Parteikamerad Heinrich Röper von den Vorgängen gewusst hat, ist nicht belegt. Angenommen werden darf es aber – allein bereits aufgrund der tiefen Gemeinsamkeiten aller Akteure. Vor allem auch über die zusätzliche Verbindung zum von Frömbling angeführten Osnabrücker Turnverein und einer darin aktiven Fechtabteilung dürften sich feste Strukturen der Zusammenarbeit ergeben haben.

Der Sportpädagoge Ernst Sievers, der gegen Ende der Republik zum überzeugten Sozialdemokraten wird und selbst mit anderen Demokraten bereits 1922 aus dem OTV gedrängt worden ist, wird nach Kriegsende auf die enge Verbindung zwischen Orgesch und OTV hinweisen. 1923, so Sievers, habe sich „die als staatsfeindlich verbotene ,Orgesch‘ (Organisation Escherich) als ,Fechtabteilung‘ des Osnabrücker Turnvereins unter der Leitung von Fritz Frömbling sen. und Wilhelm Pattberg getarnt.“[2]

Stahlhelm-Gautreffen in Osnabrück. An der Spitze könnte Röper zu erkennen sein. Aufnahme: vermutlich 1925. Foto: privat


Wehrverband Stahlhelm: deutschnational, antisemitisch und republikfeindlich

Mit dem Ende der Orgesch muss Heinrich Röper nicht verzweifeln. Er darf eine andere Kampfuniform behalten. Der Hammersen-Prokurist beteiligt sich führend und wegweisend am Aufbau des Osnabrücker Wehrverbands Stahlhelm.

Der „Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“ gilt zu dieser Zeit als der einflussreichste paramilitärische Wehrverband der Weimarer Republik. Gegründet worden ist er bereits kurz nach Kriegsende, am 25. Dezember 1918. Ideologisch ist die Truppe, der sich Röper im Jahr der Orgesch-Auflösung führend anschließt, streng antirepublikanisch, antisemitisch, antidemokratisch und nationalistisch geprägt. Der Stahlhelm fordert die „innere und äußere Befreiung Deutschlands“, richtet sich gegen den Versailler Friedensvertrag und pflegt den Mythos der „Frontkameradschaft“. Um 1930 wird der Verband etwa 500.000 Mitglieder zählen. Er dient als politischer Arm der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und anderer rechtsgerichteter Gruppierungen. 1931 wird sich der Stahlhelm mit der NSDAP und der DNVP zur „Harzburger Front“ zusammenschließen, um gemeinsam gegen die Weimarer Republik und gegen die sie tragenden Kräfte vorzugehen.

Röper führt die Stahlhelm-Ortsgruppe Osnabrück von 1924 bis 1932 als Ortsgruppenführer an. Er hat hier den Befehl über etwa 400 Osnabrücker Mitglieder. „Untätig“ sind jene keinesfalls. Am Abende des 3. Oktober 1925 überfallen Stahlhelm-Kämpfer Osnabrücker Gewerkschafter und Sozialdemokraten. Vorhergegangen ist diesen Geschehnissen ein in der Osnabrücker Stadthalle stattfindendes Stahlhelm-Gautreffen, das auch weitere rechte Kämpfer nach Osnabrück zieht. Die damalige Stadthalle befindet sich am Kollegienwall Nr. 28. Nachdem es bereits zuvor Rangeleien wegen eines Einlassbegehrs der „Stahlhelmer“ in die Gaststätte des nur vierzehn Hausnummern entfernten Gewerkschaftshauses gegeben hat, macht sich in der Folge ein ganzer Stahlhelm-Trupp dorthin auf den Marsch.  Die deutschnationalen Kämpfer werden dort allerdings von schnell mobilisierten Gewerkschaftern und kampferprobten Mitgliedern des sozialdemokratisch ausgerichteten Reichsbanners empfangen. In der sich anschließenden Massenschlägerei gehen mehrere Personen zu Boden, es fallen auch Schüsse. Acht Schwerverletzte kommen ins Krankenhaus.[3]

Ort einer massiven Auseinandersetzung zwischen Stahlhelm und Sozialdemokraten: das Osnabrücker Gewerkschaftshaus am Kollegienwall 14. Aufnahme von 1932. Foto: Bildungsvereinigung Arbeit und Leben

Gesichert darf angenommen werden, dass Röper in seiner Funktion als hochrangiger Osnabrücker Ortsgruppenführer blutigen Geschehen, das einen kleinen Vorgeschmack auf die am 11. März 1933 erfolgte Besetzung des Gewerkschaftshauses durch SA und SS bildet, aktiv beteiligt ist.

Röpers Werdegang im Stahlhelm verläuft weiter geradlinig nach oben. In der Endphase der Republik, vom Februar 1932 bis 1933, ist er Kreisführer. Vom 1. Oktober 1933 bis zum März 1934 wird er, die Formation geht in jener Zeit bereits ihrer Fusion mit der SA entgegen, sogar Gau- beziehungsweise Kreisverbandsführer.


Röper und die Gleichschaltung des Bürgervorsteherkollegiums

Das im Rathaus tagende Bürgervorsteherkollegium, heute wird es der Einfachheit halber als Stadtrat bezeichnet, erlebt spätestens mit seiner Einberufung am 20. März 1933 seine Todesstunde als demokratisches Stadtparlament. Der mutige Auftritt der Sozialdemokratin Alwine Wellmann, die sich namens ihrer Fraktion einem eingeforderten „Sieg Heil auf die Stadt Osnabrück“ verweigert, ist in der zweiten Sitzung des Gremiums das letzte Lebenszeichen kommunaler Demokratie.[4]

Bereits in der vorhergehenden Zusammenkunft sind „auf Zuruf“ NSDAP-Rechtsanwalt und Notar Paul Heisler, NSDAP-Kaufmann Friedrich Söhnchen – und Prokurist Heinrich Röper zu Vorsitzenden beziehungsweise stellvertretenden Vorsitzendes des Kollegiums gewählt worden. Röper ist zu jener Zeit noch führender Kopf der deutschnationalen Liste Schwarz-Weiß-Rot, zu der zu jener Zeit auch noch der vormalig rechtsliberale Oberbürgermeister Dr. Erich Gaertner zählt. Beide Formationen gehen in der Folgezeit gemeinsam in der NSDAP beziehungsweise in ihren Vorfeldorganisationen wie der SA auf.

Röper selbst wird Mitglied des Magistrats, der in der damaligen Kommunalverfassung das zentrale Exekutivorgan, also die Verwaltungsspitze und „Regierung“ einer Stadt bildet. Er darf als ehrenamtliches Mitglied somit auch den Titel „Senator“ tragen. In gleicher Funktion beordert wird in der März-Sitzung auch Röpers „Chef“, der Fabrikant Julius Hammersen. Das Pikante: Rein wahlarithmetisch und gemessen an überlieferten Gepflogenheiten hätten beide Senatorenposten der mit einem Fünftel der Stimmen unverändert starken SPD-Fraktion zugestanden. Röper und Hammersen dürfen ihre Positionen jedoch behalten, weil die Mandate der beiden zuvor gewählten Sozialdemokraten nicht anerkannt werden. Alle SPD-Mandate werden nach der April-Sitzung ohnehin für null und nichtig erklärt werden.  Eine weitere öffentliche Betätigung von SPD-Mitgliedern ist allen bei Strafandrohung ohnehin untersagt.

Das Stadtparlament wird in der Folgezeit seine althergebrachte Funktion verlieren. Gleichwohl zählt Röper als Senator zu jenen, die eine Gleichschaltung des Bürgervorsteherkollegiums, des Magistrats und der gesamten Stadtverwaltung systematisch einleiten.[5]


Röper wird SA-Mann – und macht sich für seine Anhänger unsterblich

Bereits während seiner offiziellen Tätigkeit im Stahlhelm, im Januar 1934, tritt Röper – wie etliche Stahlhelm-Mitkämpfer – zur SA der NSDAP über. Er wird, wie es im Tageblatt-Nachruf heißt, „durch Gruppenbefehl mit der Führung der Reserve-Standarte D beauftragt.“ Die SA-Karriere geht beeindruckend schnell: Am 1. Juni 1934 wird er SA-Sturmbannführer, am 1. Juni 1935 Obersturmbannführer. Dieser Posten ist nicht unbedeutend. Ein SA-Obersturmbannführer befehligt typischerweise eine Einheit in der Größenordnung eines Sturmbannes, was in der SA-Struktur in der Regel etwa 300 bis 500 SA-Männern entspricht. Beginnend vom 1. April 1937 ist Obersturmbannführer Röper im Stabe der hoch angesiedelten Standarte 78 tätig. Im gleichen Jahr 1937, die Partei hat inzwischen einen langjährigen Mitgliederstopp beendet, tritt Röver feierlich der NSDAP bei.

Groß aufgemachter Nachruf im Osnabrücker Tageblatt

Er stirbt an einem Samstag, dem 9. Juli 1938. Folgt man dem erwähnten Nachruf des Tageblatts, ist der Tod „nach schwerer Krankheit“ eingetreten. Zu diesem Zeitpunkt ist der Verstorbene, als dessen Wohnsitz im Adressbuch von 1938 die Süsterstraße 49, 2. Stockwerk, angegeben ist, 53 Jahre alt. Der Gedenkkult, der sich nach Rövers Beisetzung im Sommer 1938 entwickelt, spiegelt sich in Sätzen seines Nachrufs:

„Nach der Machtergreifung durch den Führer stellte er sich dem Dritten Reiche, in dem er die Erfüllung auch seines Kampfes um Deutschlands Wiederaufstieg erkannte, ebenso begeistert und tatkräftig zur Verfügung und hat als Nationalsozialist und SA-Führer an der Verbreitung der nationalsozialistischen Weltanschauung in Osnabrück hervorragenden Anteil. (…) Er war das Vorbild eines echten Kameraden. Gerade und treu, stets opferbereit und gut, ist er für die Nachwelt ein unsterbliches Beispiel von Mannestreue und Mannestum. Die SA wird ihn nie vergessen und versuchen, es ihm im Leben und in Taten gleich zu tun.“


Streit um eine Wegbezeichnung – und ein Bündel angeblicher Röper-Wohltaten

Dass verstorbene Röper noch viele Jahrzehnte für Schlagzeilen sorgt, hätte er sich zu Lebzeiten wohl selbst kaum vorstellen können. Zur Ursache späterer Debatten wird, dass er schon kurz nach seinem Tod zum Namensgeber eines Weges in unmittelbarer Nähe „seines“ Hammersen-Werkes wird.

Nach einer pompös veranstalteten Beisetzung des Verstorbenen, zu der auf dem Heger Friedhof SA- und NSDAP-Formationen, Kreisleiter Willi Münzer, Hammersen-Direktor Hegels und OB Dr. Erich Gaertner erscheinen, fasst der NS-besetzte Stadtrat im März 1939 den Beschluss, die Erschließungsstraße für die zu diesem Zeitpunkt entstehende Werkssiedlung am Kalkhügel nach Heinrich Röper zu benennen.

Noch etliche Jahrzehnte später wird sich das Image Röpers halten, im Hammersen-Werk und dessen Umgebung als sozialer Wohltäter agiert zu haben. Joachim Dierks berichtet am 28. März 2017 in der Neuen OZ,  dass sich eine Mitgliederversammlung des Bürgervereins Neustadt einstimmig gegen eine von der rot-grünen Ratsmehrheit initiierte Umbenennung des Heinrich-Röper-Wegs ausgesprochen habe. Mehrere Mitglieder des Vereins, die seinerzeit  in der ehemaligen Hammersen-Werkssiedlung am Heinrich-Röper-Weg wohnen und  teils selbst noch in der Großweberei gearbeitet haben, haben den Beschluss offenbar herbeigeführt.

Das Röper-Erbe steht, so gibt Dierks die Argumente wieder, für die umfangreichen sozialen Unterstützungseinrichtungen des Werks. Angeblich hat Röper persönlich für verbilligte Werkswohnungen und für freiwillige Sozialleistungen gesorgt. Ebenso auf der Habenseite Röpers stehe der Werkskindergarten an der Miquelstraße, die Funktion einer Fabrikkrankenschwester, eine eigene Werkssparkasse, eine Unterstützungskasse für in Not geratene Mitarbeiter, betriebliche Zusatzrenten und „Einkellerungsbeihilfen“ nach der Kartoffelernte. Da Röper, so Dierks, neben der Buchhaltung auch der Personalabteilung vorstand, verfügte er – so die Argumentation der Röper-Anhänger – über die erforderlichen Instrumente, um die vom Vorstand abgesegneten sozialen Maßnahmen auszugestalten.

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus bekommen diejenigen in Osnabrück Gestaltungsmacht, die zuvor besonders unter dem NS-Terror, für den auch Röper steht, gelitten und auch etliche Opfer an Menschenleben gebracht haben. Vor allem Mitglieder von SPD und KPD wollen durchsetzen, dass endlich alle nationalsozialistisch, aber auch nationalistisch oder militaristisch geprägten Weg-, Platz- und Straßennamen aus dem Straßenbild getilgt werden, um einen demokratischen Neubeginn auch optisch zu untermauern. Eine absolute SPD-Mehrheit – die Partei profitiert vom britisch beeinflussten Mehrheitswahlrecht – hilft dabei entscheidend. Noch 1946 wird aus dem Adolf-Hitler-Platz wieder der Neumarkt. Die Horst-Wessel-Allee wird erneut zur Ebert-Allee, die Straße der SA wird wieder zum Neuen Graben, der Braunauer Wall zum Heger-Tor-Wall. Im Februar 1948 folgt der zunächst in Neustädter Platz (heute: Willy-Brandt-Platz) umbenannte Hindenburg-Platz. Der Hohenzollernplatz wird zur Heinrich-Heine-Straße.

Anno 1948, noch besitzt die SPD im Stadtrat die absolute  Mehrheit, stimmt die Stadtvertretung endlich auch für die Umbenennung des vormaligen Heinrich-Röper-Wegs in „Glie-Esch“. Das Murren vieler in den Reihen der bürgerlichen Ratsminderheit verwandelt sich in Wut – und in den festen Willen, den Beschluss sobald möglich wieder rückgängig zu machen. Auch viele Anwohner, die den Alt-Nazi unverändert verehren, drängen auf eine Rückbenennung.

Basis dafür wird das Ergebnis der Kommunalwahl Ende 1952, bei der die SPD ihre Mehrheit verliert. Nachdem der SPD-OB Heinrich Herlitzius im gleichen Jahr, obwohl er die mit Abstand stärkste Fraktion – 15 Sitze – präsentiert, infolge einer Intrige sein Amt verliert, wird Heinrich Buddenberg von der nationalkonservativen Deutschen Partei Oberbürgermeister. Der stramm nationale Buddenberg repräsentiert eine konservativ-bürgerliche Ratsmehrheit aus CDU (10 Sitze), FDP (1), Zentrum (3), Deutscher Partei (4), Osnabrücker Bürgerliste (3) und dem Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (3). Die Basis für eine Rückbenennung zugunsten Röpers ist gegeben.

In der Siedlung am Kalkhügel hält sich die Wegbezeichnung „Glie-Esch“ deshalb nur bis 1954. Auf Betreiben vieler Mitglieder der bürgerlich-nationalen Ratsmehrheit sowie einzelner Hammersen-Siedler kommt es zum länger geplanten Rückbenennungsverfahren. Mit 16 zu 13 Stimmen bei 4 Enthaltungen, gegen massiven Protest der SPD-Fraktion, entscheidet sich der Stadtrat für eine Renaissance des Heinrich-Röper-Wegs. Restlos verhallt dabei der Appell des SPD-Ratsherrn Walter Haas, Sohn des schon 1933 unter NS-Terror umgekommenen Sozialdemokraten Gustav Haas. Haas erinnert richtigerweise daran, dass „man diese Umbenennung aus politischen Gründen ablehnen“ müsse, da „Heinrich Röper Angehöriger des Stahlhelms und später SA-Sturmführer gewesen“ sei.

Dr. Otto (Osnabrücker Bürgerliste) entgegnet, dass „es sich hier um eine Siedlung der Firma F. H. Hammersen handele, die das Gelände erschlossen und die Siedlung erstellt“ habe. Schon 1938 [!] habe die Firma F.H. Hammersen die Zusicherung erhalten, diesen Weg nach einem ihrer Angestellten zu benennen. (…) Es entspreche „auch in keiner Weise den Tatsachen, dass Heinrich Röper Nationalsozialist im Sinne des Vorredners gewesen“ sei.[6] Fakten zählen somit nicht. Der wieder installierte Heinrich-Röper-Weg wird schließlich vom Stadtrat am 17. August 1954 mit 16 gegen 13 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen beschlossen.[7]

62 Jahre lang zählt der Heinrich-Röper-Weg in der Folgezeit zu den offiziellen Weg-, Platz- und Straßenbeteichnungen der Stadt. In allen Jahren traut sich offenkundig keine Ratsmehrheit mehr, das Thema einer Umbenennung aufzugreifen. Zu groß ist offenbar die Angst vor einem Protest der Anwohnerschaft.

Neuauflage des Disputs: die endgültige Wende?

Es dauert lange, bis politische und bürgerschaftliche Kräfte die Courage besitzen, erneut eine Namensdebatte anzustoßen. Ein wesentlicher Treiber, bei problematischen Wegebezeichnungen endlich zu handeln, ist dabei vor allem die Osnabrücker Friedensinitiative (OFRI). Am 14. Juni 2014 erfährt das Lesepublikum der Neuen Osnabrücker Zeitung in deren Online-Ausgabe, dass die Ratspolitik von der OFRI endlich zum Handeln aufgefordert wird.[8]

Die Ausgangslage ist dabei nicht einfach. Bereits im Jahr 2002 war die rotgrün inittierte Umbenennung der Carl-Diem-Straße an Anwohnerschaft wie CDU-FDP-Ratsmehrheit gescheitert. Auch eine von SPD und Grünen initiierte Ratsdebatte von 2012, an NS-Zeit, Nationalismus und Militarismus erinnernde Ortsbezeichungen abzuändern, droht mittlerweile in den Mühlen von Politik und Verwaltung zu versanden.

Zumindest sind im Auftrag des wieder rotgrün dominierten Stadtrates endlich systematisch alle 1476 (!) Straßen in Osnabrück unter die Lupe genommen worden, was viel Klarheit schafft. Die Osnabrücker Friedensinitiative kann somit den dritten und vormalig letzten Anlauf unternehmen, die braune Vergangenheit aus dem Straßenverzeichnis zu tilgen. Am Ende setzt die Verwaltung einen Arbeitskreis Erinnerungskultur aus Sachkundigen ein, der eine Empfehlung ausarbeiten soll und dem seinerzeit auch der Autor dieses Beitrags angehören darf.

Eingebettet ist die späte Debatte um Röper in zwei weitere Dispute um historische Namen. Die Giesbert-Bergerhoff-Straße in Atter, seit 1984 benannt nach dem früheren Bürgermeister der damals noch selbständigen Gemeinde, ist einer der Streitpunkte. Giesbert Bergerhoff (1896 -1979) war während des Nationalsozialismus Ortsgruppenführer der NSDAP. Der andere Streitpunkt, die Carl-Diem-Straße im Stadtteil Wüste, ehrt seit 1967 den Sportfunktionär Carl Diem (1882-1962). Konfliktpunkt um Diem: Der Zweite Weltkrieg war für Nazi-Deutschland längst verloren, da rief er Jugendliche zum „finalen Opfergang für den Führer“ auf. Später, wesentlicher Grund seiner Verehrung, machte er sich einen Namen als „Erfinder“ der Bundesjugendspiele. Mit all dem ist es nun vorbei: Der vom Rat eingesetzte Arbeitskreis Erinnerungskultur empfiehlt am Ende seiner Beratungen dem Stadtrat, die Namen der früheren Nazis aus den Beschilderungen gegen andere auszutauschen.

Lange wird um alle Wegbezeichnungen auch in Ratsdebatten und in Bürgeranhörungen gerungen. Bergerhoff und Diem erfahren schließlich posthum das gleiche Schicksal wir Röper: Alle sind als Namensgeber für Straßen- oder Wegbezeichnungen nicht mehr tragbar.

 

Es kommt zum finalen Abschluss: Messen wir ihn an der historischen Bedeutung des Tages, hätte es im Jahre 2016 kein besseres Datum für den Ratsbeschluss geben können: Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung der Welt vom Hitler-Faschismus 1945, beschließt der Osnabrücker Stadtrat einstimmig einen Verwaltungsvorschlag mit einem nüchtern klingenden Beschlusstext:

„Der Heinrich-Röper-Weg wird umbenannt in ‚Färberweg‘. Die Carl-Diem-Straße wird umbenannt in ‚An der Moorweide‘. Die Giesbert-Bergerhoff-Straße wird umbenannt in ‚Frieda-Schröer-Straße‘.“

Ende gut, alles gut? Wir sollten nie „Nie!“ sagen, oder?

[1] Vgl. bei den bisherigen sowie folgenden biografischen Angaben „Ein Leben im Dienste der Nation. Heirich Röper, dem guten Kameraden, zum Gedenken“, in: Osnabrücker Tageblatt, Ausgabe vom 12. Juli 1938, Seite 3

[2] Vgl. Heiko Schulze, Ernst Sievers (1889-1947). Streiflichter eines ungewöhnlichen Sportlerlebens, Visbeck 2024, S. 105 f.

[3] Zu den Geschehnissen vgl. Joachim Dirks, Straßenschlachten und Flugzeugtaufen: Osnabrück 1925 zwischen Radikalisierung und Moderne, in: Neue Osnabrücker Zeitung, Printausgabe vom 22.10.2015, S. 12

[4] Zu Wellmanns Auftritt und dem Geschehen rund herum vgl. Heiko Schulze, Unsere Erste. Alwine Wellmann. Osnabrücker Abgeordnete und Vorkämpferin für Frauenrechte, Vechta 2018, S. 125 ff.

[5] Zum Verlauf der genannten Sitzungen vgl. auch Gerd Steinwascher, Die Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, in: Gerd Steinwascher (Hrsg.), Geschichte der Stadt Osnabrück, Belm 2006, S. 715 ff.

[6] Vgl. NLA, Dep 3cAkz. 32/96 Nr. 48 und Sig 100 III Nr. 791

[7] Vgl. NLA Dep 3c Akz. 32/96 Nr. 258

[8] Vgl. im Folgenden Sebastian Stricker, Friedensinitiative drängt Griesert. Stadt Osnabrück soll endlich Nazi-Straßennamen tilgen, Neue-OZ online vom 14.06.2014

Vorhergehende Folgen und weitere Veröffentlichungen des ILEX-Kreises

spot_img
Februar 2026spot_img
Oktober 2023spot_img
Oktober 2025spot_img
August 2024spot_img
Juni 2025spot_img
2015spot_img
November 2020spot_img
August 2024spot_img
erscheint Oktober 2026spot_img